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Mir ist nur der Strand als Arbeitsplatz geblieben

- Christoph (24) aus dem Senegal (Foto: Frenzel)
An den Stränden der Costa del Sol verkauft Christoph (24) aus dem Senegal jeden Sommer CDs und Schmuck an Urlauber. Oft bleibt ihm kaum Geld zum Überleben. Bis er vor drei Jahren auf einem Holzboot nach Spanien kam, arbeitete er als Fischer in Saint Louis. Am liebsten möchte er zurück, aber er schämt sich, ohne ein kleines Vermögen zu seiner Familie zu kommen.
In seinem früheren Leben war Christoph (24) Fischer. In Saint Louis, seiner Heimatstadt im Senegal, fuhr er jeden Morgen gemeinsam mit seinem Vater auf einem kleinen Holzkahn hinaus aufs Meer. Mittags kehrten die beiden zurück und verkauften am Strand den frischen Fisch. Die Menschen liefen auf sie zu, in wenigen Augenblicken war der Fang unter die Leute gebracht.
Auch jetzt, in seinem neuen Leben in Spanien, verkauft Christoph Waren am Strand. Keine Fische, sondern das, was er bei den chinesischen Großhändlern im Industriegebiet am günstigsten bekommt. Meistens sind das bunte Kleider, Sonnenbrillen und Armbänder und Halsketten, manchmal auch gefälschte DVDs und CDs. Doch keiner läuft auf ihn zu, um ihm in Sekundenschnelle die Waren aus den Fingern zu reißen. In Spanien muss Christoph jetzt stundenlang bei über 30 Grad, Ketten, Brillen und Röcken um den Hals gehängt, am Strand von Fuengirola entlang laufen, ohne dass sich jemand für seine Ware interessiert.
Keine Jobs mehr für Papierlose
Doch er sagt: «Die Arbeit ist gut.» Christoph ist vor drei Jahren auf einem Holzkahn, ganz ähnlich wie der seines Vaters, auf den Kanarischen Inseln angekommen. Seitdem hat er fast alle Jobs gemacht, die man als illegaler Einwanderer in Spanien machen kann. Zuerst stellte er in einer Fabrik Eiswürfel her, dann war er auf dem Bau und zuletzt schlug er sich als Erntehelfer durch. «Immer, wenn es keine Arbeit mehr gab, bin ich woanders hingegangen», sagt er.
Zuerst war er in Barcelona, dann in Sevilla. Als Erntehelfer pflückte er in Lerida, Albacete, Jaén, Almería, zuletzt in Huelva. Bei der Apfelernte in Lerida stand er noch zwei Monate auf dem Feld, bei der Erdbeerernte in Huelva waren es nur vier Tage. Mit anderen Senegalesen musste er Hütten aus Holzkisten und Plastikplanen bauen, Geld für eine Wohnung hatten sie keines. Bis zum Ende der Erntesaison harrte er aus. «Ich konnte nicht mal mehr die Fahrkarte bezahlen, um aus Huelva fortzukommen», sagte er. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes besorgte ihm schließlich ein Ticket nach Málaga.

- Ein Strandverkäufer lebt gefährlich (Foto: pixelio.de/Andreas Hermsdorf)
Kaum Geld für die Familie
Seit er an der Costa del Sol ist, kann er sich wieder ein Zimmer leisten, er teilt es sich mit einem Landsmann. Er kann auch wieder regelmäßig seiner Mutter ein bisschen Geld schicken. Das war einmal der Grund für sein europäisches Abenteuer. Christoph erzählt seiner Familie im Senegal nicht, wie es ihm in Europa geht. «Sie würden sich zu viele Sorgen machen», sagt er. Nach einer langen Pause fügt er hinzu: «Es ist mir peinlich, dass ich es in Europa zu nichts bringe. Ich bin schließlich gekommen, um in meiner Heimat zu triumphieren.»
Christoph lebt gefährlich
Es gibt viele Tage, da verdient Christoph nur ein paar Euro. Keiner will seine Brillen, Kleider und Ketten. Damit es sich lohnt, muss er jeden Tag auf die Straße. Wenn der Verkauf besonders schlecht läuft, zieht er abends noch durch die Restaurants und Bars, wo die Strandurlauber sich amüsieren. Früher, bei seiner Ankunft in Spanien vor drei Jahren, hätte Christoph noch gesagt, die Arbeit am Strand ist schlecht. Man muss auf die Polizei achten, manchmal tarnen sie sich in Zivil. Man muss Geld ausgeben, das man manchmal erst nach Tagen wiederbekommt. Man muss ständig Menschen anbetteln, unsinnigen Kram zu kaufen.
Und: Christoph ist neu, er ist nicht allein am Strand. Es gibt viele alte Hasen, einige sind in Gruppen organisiert, «sie teilen sich die Strände in Reviere auf. Wenn ich da aus Versehen hineingerate, vertreiben sie mich.»
Sein Vater wollte nicht, dass Christoph nach Europa geht. ‘Das ist ein Dschungel, du bist noch jung’, hatte er ihm gesagt. «Europa ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe», sagt er. Dann zieht er weiter. «Schöne Halsketten, señoras», «modische Brillen, señores». Die Urlauber, die auf ihren Handtüchern liegen, sehen meist gar nicht auf. Ein paar lassen ihren Blick über die bunten Sachen streifen, winken dann ab. Christoph zieht weiter.
[VF]
