Dienstag, 06. Juli 2010
    
Deutsche Entwicklungshilfe in Afrika

Fußballtrainer mit dem Diplomatenpass

Weltmeisterschaft
Weltmeisterschaft in Südafrika. (Foto: pixelio.de/Angela Parszyk)

Der deutsche Diplomat Harald Ganns, Jahrgang 1935, war über lange Jahrzehnte hinweg sozusagen der „gute Geist“ Afrikas im Bonner Auswärtigen Amt. Er kannte und kennt den „schwarzen Kontinent” wie seine Hosentasche. Ganns war beispielsweise deutscher Botschafter in Südafrika und Namibia. Und er ist Fußball-Fan. Seine Erfolge als Aktiver allerdings sind bescheiden. Danach gefragt, antwortet er schmunzelnd, er habe in seinem Verein in St. Augustin bei Bonn „locker den Sprung von der Schüler- in die Altherrenmannschaft geschafft“. Aber Ganns hat die Lizenz als Fußball-Lehrer. Und so kam es, dass der Diplomat beispielsweise während seiner Botschafter-Tätigkeit in Nambia dessen Nationalteam trainierte. Er beförderte danach den Aufbau von Nationalmannschaften auch in anderen afrikanischen Staaten.

Mit dem Fußball Gewalt im Lande überwinden

Zur Jahrtausendwende ist der Diplomat Harald Ganns aus dem aktiven Leben eines Botschafters ausgeschieden, doch die enge Verbundenheit zum Fußball auf dem schwarzen Kontinent ist geblieben - und die Verehrung, die er dort genießt. Es dürfte sein Verdienst sein, dass der Fußball dazu beigetragen hat, dass in etlichen afrikanischen Ländern innere Gewalt überwunden worden und friedliches Neben- und Miteinander unterschiedlicher Völkerstämme eingekehrt ist. Als Beispiele nennt er gern den Versöhnungsprozeß zwischen dem Norden und dem Süden in der Elfenbeinküste oder die positiven Entwicklungen nach dem Völkermord in Ruanda. Und nun die Weltmeisterschaft in Südafrika: Man dürfe nicht vergessen, dass dies Land noch vor zwei Jahrzehnten – mit seiner Vergangenheit als Apartheits-Regime -  „der Paria“ auf dem afrikanischen Kontinent gewesen sei.

Ghana
Fußball in Afrika. (Foto: pixelio.de/Andreas Walgenbach)

„Das Runde gehört ins Eckige“

Harald Ganns als fußballerischer Botschafter. Stets hat ihn die Spielfreude der Afrikaner begeistert; ihre Ballverliebtheit, sagt er mit leisem Schmunzeln, habe er ihnen ein bisschen austreiben müssen. In dem Sinne, dass er den Afrikanern, in welchem Landstrich auch immer, habe immer wieder einbläuen müssen, „dass das Runde zum guten Schluss ins Viereckige“ gehöre. Als schöne Beispiele für Erfolge nennt er beispielsweise den 1:0-Sieg Kameruns gegen Argentinien bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien und das gute Abschneiden Ghanas bei der WM 2010 in Südafrika.

Der Fußballpionier Eckard Krautzun 

Doch der ehemalige Diplomat weiß, dass es eine ganze Reihe deutscher Fußball-Botschafter gegeben hat und gibt, die den Afrikanern auf die Sprünge geholfen haben und helfen. Das hat schon vor rund 40 Jahren angefangen und ist eine langfristig angelegte Erfolgsgeschichte; immer wieder mit Rückschlägen, aber insgesamt positiv. Manche der Protagonisten sind in der deutschen Heimat wenig bekannt. Beispielsweise Eckard Krautzun, der Pionier der deutschen – und europäischen – Fußball-Lehrer in Afrika. Von 1970 an kümmerte er sich um die kenianische Nationalmannschaft und wurde zum Volkshelden. In 2002 führte er dann die tunesische Nationalelf in die WM-Endrunde.

Rudi Gutendorf
Rudi Gutendorf. (Foto: gutendorf-rudi.de)

„Riegel-Rudi“ war überall dabei

Bekannt wie ein bunter Hund ist natürlich „Riegel-Rudi“ Rudi Gutendorf, der schier der halben Welt das Fußballspielen beigebracht hat. Auf dem schwarzen Kontinent betreute er Tunesien, Botswana, Tansania, Sao Thomé/Principe (Westafrika), Ghana, Zimbabwe und Ruanda. Für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt er 1997 das Bundesverdienstkreuz. Berti Vogts, Ex-Coach der deutschen Nationalmannschaft, zog es nach Nigeria – mit Ex-Torwart Uli Stein als Torwarttrainer – mit der schlichten Begründung „Ich liebe Afrika“. Wenig bekannt hierzulande ist Joachim Fickert. Er war im Kongo und in Benin tätig – ein Fußball-Lehrer und Entwicklungshelfer, der offiziell im Auftrag des Auswärtigen Amtes arbeitete. In Benin war auch Reinhard Fabisch aktiv, nachdem er zuvor die Teams von Simbabwe und Kenia betreut hatte.

Auch Stielike zog auf den schwarzen Kontinent 

Last but not least: Als Otto Pfister im Jahr 1992 mit Ghanas Nationalmannschaft das Finale der Afrikameisterschaft erreichte, wurde er zu Afrikas Trainer des Jahres gewählt. Kurz schließlich war das Engagement von Ulrich Stielike in Afrika: Der Ex-Star von Real Madrid übernahm 2006 den Trainerposten der Elfenbeinküste, musste aber nur anderthalb Jahre später den Posten wegen einer schweren Erkrankung seines Sohnes wieder abgeben.

Angesichts einer solchen Bilanz sagt der Ex-Botschafter Harald Ganns, man dürfe zwar den Fußball als Entwicklungshelfer und Friedensstifter „nicht überfrachten“, aber man solle mittel- und langfristig seine positive Wirkung auch nicht unterschätzen.

[KS]