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- 1Goal-Kampagne fordert Schulbesuch für alle Kinder: Bildungsgipfel in Pretoria
Bildungsgipfel in Pretoria

- (Foto: join1goal.de)
Rund 72 Millionen Kinder sind weltweit betroffen. Sie haben keinen Zugang zum Schulsystem und können daher in den allermeisten Fällen gar nicht oder nur kaum lesen, schreiben und rechnen. Der Verbleib in der Armut ist dadurch vorprogrammiert. Im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft hat die FIFA zusammen mit einigen weltweit agierenden Organisationen wie der Hungerhilfe, Oxfam oder World Vision die „1Goal – Bildung für alle“ Kampagne ins Leben gerufen. Hauptveranstaltung sollte ein Gipfeltreffen mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt werden. Diese sollte ursprünglich rund eine Woche vor dem Ende des Weltmeisterschaftsturniers stattfinden, wurde jedoch kurzfristig auf den Tag des Finales gelegt. Ziel war es, dadurch noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch der Plan ging nicht auf. Nahezu unbeachtet von der Medienlandschaft und auch mit nur wenigen Gästen aus den Geberländern verlief das Bildungstreffen in Pretoria. Für Deutschland nahm nicht – wie ursprünglich geplant – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Jedoch entsendete sie mit dem frisch gekürten Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) den ranghöchsten Deutschen.
Was ist 1Goal genau?
"1GOAL – Bildung für alle!" ist eine groß angelegte Kampagne, die während der Fußballweltmeisterschaft 2010 auf die weltweite Bildungsmisere aufmerksam machen sollte. Ziel ist es, weltweit 30 Millionen Stimmen und Unterschriften für bessere Schulbildungsmöglichkeiten in finanziell schlecht gestellten Staaten der Erde zu sammeln. 1GOAL wurde von der Global Campaign for Education, einem Bündnis von Entwicklungsorganisationen und Bildungsgewerkschaften in mehr als 120 Ländern mit Unterstützung der FIFA ins Leben gerufen. In Deutschland wird 1GOAL durch die Globale Bildungskampagne getragen. In ihr wirken die Welthungerhilfe, CARE, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Kindernothilfe, Oxfam, Plan, Save the Children, UNICEF, der World University Service und World Vision gemeinsam.
72 Millionen Kinder ohne Zugang zu Schulen

- Damit Kinder in armen Ländern zur Schule gehen können, wird Geld benötigt. (Foto: pixelio.de/Dieter Schütz)
„Mit 1GOAL fordern wir von den Regierungen in Nord und Süd die Einhaltung ihres Versprechens, allen Kindern weltweit eine Grundbildung zu ermöglichen", so Jörn Kalinski, Sprecher der Globalen Bildungskampagne. Mit dieser Kampagne soll die Aufmerksamkeit auf das Thema Bildung gelenkt werden. Damit Kinder in armen Ländern zur Schule gehen können, wird Geld benötigt. Barbara Fürst, Bildungsexpertin der Welthungerhilfe, schätzt, dass 16 Milliarden US-Dollar an internationaler Bildungsunterstützung notwendig wären, um jedem Kind eine Grundschulausbildung zu finanzieren. Derzeit würden jedoch nur vier Milliarden zur Verfügung gestellt. Zudem erfüllen die meisten „armen“ Staaten ihre Ankündigung nicht. Die Entwicklungsländer hatten versprochen, dass sie 20 Prozent ihres Haushaltsbudgets in Bildung investieren.
Es mangelt hauptsächlich an ausgebildeten Lehrern und Schulmaterial. So können viele Kinder in Afrika auch nach mehreren Jahren in der Schule nicht lesen und schreiben. May Evers von der Entwicklungshilfe-Organisation Plan Deutschland sagt, dass die Schulen hoffnungslos überfüllt seien und die Lehrer so schlecht bezahlt würden, dass sie von diesem Job nichtmal ihre Familien ernähren könnten.
Balkenende und Mitchell zu Gast
Neben dem deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff wurde der europäische Kontinent bei der Konferenz durch den scheidenden niederländischen Ministerpräsident Jan Peter Balkenende und den britischen Entwicklungs-Staatssekretär Andrew Mitchell vertreten. Jacob Zuma wollte hauptsächlich afrikanische Regierungsführer an einen Tisch bringen, damit diese eine gemeinsame Positionen beziehen können. So nahmen unter Anderem die Staatsoberhäupter von Kenia und Mosambik oder auch Botswana teil. Die Kampagne, unterstützt von dem mächtigen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter und Alt-Erzbischof Desmond Tutu, hatte schon im Vorfeld prominente Zugpferde. So stellen sich die Fußballstars Christiano Ronaldo, Thierry Henry oder auch Jerome Boateng hinter das Ziel, Bildung für alle möglich zu machen. Auch Mick Jagger oder Zinedine Zidane machten in kurzen Videoclips Werbung für die 1Goal-Kampagne. Die Teilnehmer der Veranstaltung unterzeichneten ein Abkommen, dass auf die schlechte Bildungssituation aufmerksam macht.
Das geringe Interesse und Anteilnahme an dem Gipfel beschreibt die Süddeutsche Zeitung als traurige Geschichte. Nach der Bekanntgabe der Verlegung des Termins vom 7. auf den 11. Juli wurde ein afrikanisches Kaffeekränzchen befürchtet, da zunächst nur afrikanische (Lokal)-Politiker eingeladen gewesen sein. Durch die Teilnahme Wulffs und Balkenendes konnte dieses Szenario jedoch verhindert werden – zumindest teilweise.
Weltarmutskonferenz im September
Der Weltarmutskonferenz der Vereinten Nationen im September wird von internationalen Bildungsexperten eine größere Bedeutung zugemessen. Ein Themenpunkt wird die Erreichung des 2000 beschlossenen Milleniumszieles, jedem Kind eine kostenfreie Grundschulausbildung zu ermöglichen, sein. In New York City wird ein richtungsweisender Schritt benötigt, um das Ziel zum angestrebten Zeitpunkt, 2015, zu erreichen.
[MK]
