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Kooperation als Schlüsselwort der Kulturdiplomatie

- Mark C. Donfried, Leiter und Gründer des Institute for Cultural Diplomacy (ICD). (Foto: culturaldiplomacy.org)
Das Institut für Kulturdiplomatie (ICD), gegründet in 1999 in New York, ist eine gemeinnützige, nichtstaatliche Organisation mit Hauptsitz in Berlin. Sie fördert globalen Frieden und internationale Stabilität und beabsichtigt, für die Verstärkung und Vertretung der interkulturellen Beziehungen auf allen Ebenen einzustehen.
African Edition: Über die vergangenen elf Jahre hat ICD die weiche Kommunikation zwischen Kulturen gefördert. Können Sie die Aufgaben und Ziele der ICD für diejenigen beschreiben, die die Organisation nicht kennen?
Donfried: Wir kümmern uns um die Forschung und schaffen Programme:
- Leider es gibt sehr wenig Forschung über Kulturdiplomatie (KD) und wie sie sich entwickelt hat. Die größte Verschiebung, die wir beobachtet haben, ist, dass KD nicht länger nur staatlich angewandt wird, sondern jetzt auch in den Privatsektor und die Gesellschaft Einzug gefunden hat – mit unterschiedlichen Zielen, versteht sich. Die größte Dringlichkeit in der heutigen Welt ist nicht, Menschen zu überzeugen, dass die eigene Kultur besser ist als eine andere, sondern zu versuchen, Beziehungen untereinander zu stärken, so dass man tatsächlich Verständnis und Vertrauen zueinander aufbaut. Im Wesentlichen ist Zusammenarbeit das Schlüsselwort – so zum Beispiel bei den Themen Klimawandel, Terrorismus, Hunger oder Armut. Wenn wir nicht zusammenarbeiten, haben wir keine Chance, diese Probleme zu lösen. Forschung ist die größte Komponente, um zu erkennen, was im 21. Jahrhundert geschehen ist und welche Art Strategien wir für die Zukunft aufstellen können.
- Programme sind das, was wir wirklich machen. Es gibt drei Dinge, die wir versuchen zu tun: Beziehungen ausbilden, verstärken und unterstützen. Bezüglich Afrika gibt es ein großes Problem: es gibt zu wenig Bildung und Informationen über Afrika und zu viele Stereotypen. Unsere Arbeit ist es nicht, Menschen von einer bestimmten Denkrichtung zu überzeugen. Wir wollen ihnen helfen, eine eigene Ansicht zu entwickeln.
Es geht um Zugang
African Edition: Welche Fortschritte hoffen Sie in Bezug auf Afrika zu erreichen?
Donfried: Die größte Herausforderung in Afrika – eigentlich überall – ist der des generellen Zugangs. Wir glauben, dass das Wesentliche, worin sich die Menschen in der Welt unterscheiden, nicht Ethnizität, Rasse, Nationalität oder Geschlecht sind, sondern Zugang zu Frieden, Menschenrechten, Bürgerrechten, Ausbildung, Nahrung oder zu anderen Notwendigkeiten. Das ist eigentlich die Hauptaufgabe der Regierungen: nicht unbedingt zu entscheiden, wie wir den Zugriff verwenden, aber zumindest sicherstellen, dass die Bürger Zugang zu dem haben, was sie brauchen und was sie wollen. Was es in Afrika kniffliger macht, ist die Tatsache, dass die politische Karte Afrikas nichts mit der kulturellen Karte Afrikas zu tun hat. Das ist sehr fragmentierter Kontinent, auf dem es mehr Flüge von Afrika nach Europa gibt, als zwischen den afrikanischen Staaten. Es gibt einfach zu wenig Bewegung und Austausch zwischen den Afrikanern.
African Edition: Wie können die Afrikaner zueinander finden?
Donfried: Das ist die andere Sache, die wir zu beeinflussen versuchen: es braucht mehr Kooperation auf ihrem Kontinent. Die Afrikanische Union, zum Beispiel, ist eine großartige Idee, aber man hat noch nicht den Punkt erreicht, wo sie wirklich funktionieren kann. Die zweite Komponente ist die afrikanische Diaspora: Statistisch betrachtet leben mehr Afrikaner außerhalb als innerhalb des afrikanischen Kontinents. Das bedeutet, dass die Diaspora auch die Möglichkeit hätte, den Menschen auf dem Kontinent zu helfen. Wir wollen jungen afrikanischen Führungskräften helfen, ein bisschen anders zu denken und die "Führungsinitiativen“ zu übernehmen, wenn sie nach Hause kommen und ihre eigenen Projekte erstellen.

- Die Teilnehmer des Symposiums. (Foto: culturaldiplomacy.org)
Hard Power vs. Soft Power
African Edition: Die Wissenschaft verwendet zwei verschiedene Namen für zwei unterschiedliche Ansätze, die in den internationalen Beziehungen angewandt werden können; "Hard Power" und "Soft Power" (im deutschen auch als harte und weiche Macht bezeichnet). Das ICD fungiert als Botschafter für „Soft Power“. Könnten Sie das Konzept erläutern und erklären, wie es funktioniert?
Donfried: Macht ist, wenn es jemandem gelingt, jemand anderes zu überzeugen, seinen Willen zu erfüllen. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Hier verweise ich auf Joseph S. Nye von der Harvard University. Er hat sich mit dem Konzept der „Soft Power“ vor 20 Jahren einen Namen gemacht. „Hard Power“ bedeutet, dass man versucht mit Gewalt zu bekommen was man möchte. „Soft Power“ spielt mit Arten der Attraktion: am Ende tun die anderen Menschen was man will, ohne dass man sie dazu zwingt.
African Edition: Ein aktuelles Beispiel wäre interessant.
Donfried: Ein positives Beispiel wäre der Kalte Krieg. Dort sorgte die „smart power" für Erfolg - eine Kombination aus „Hard“ und „Soft Power“. Auf der einen Seite hat man „Hard Power“ gehabt: die gegenseitige Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Man könnte argumentieren, dass vielleicht ohne diese Bedrohung „Soft Power“ nicht möglich gewesen wäre. Aber am Ende, als die Berliner Mauer fiel, waren es nicht Panzer, Raketen und Bomben, die sie einstürzen ließen, sondern die Bürger, die ihren Glauben in ihr System verloren hatten. Ein negatives Beispiel für „Soft Power“ ist Osama Bin Laden. Joseph Nye würde argumentieren, dass Osama Bin Laden es versteht, „Soft Power“ sehr effektiv zu nutzen. Er musste niemanden bezahlen oder zwingen, am 11. September in das World Trade Center zu fliegen. Er überzeugte sie mit seiner Interpretation von "Religion".
African Edition: Glauben Sie, dass der Einfluss der „Soft Power“ im Vergleich zu „Hard Power“, wie militärischem Druck, wachsen wird?
Donfried: Ich glaube schon, vor allem weil es dafür akuten Bedarf gibt. Wenn wir, zum Beispiel, Fortschritte im Bereich des Klimawandels machen wollen, dann ist das die einzige Chance, die wir haben. Wir brauchen die Fähigkeit, aufeinander zuzugehen und zu sagen: „Hey schauen Sie, ob Sie es wollen oder nicht, die Welt wird immer wärmer und wir alle müssen kooperieren". Zwangsläufig müssen wir die beiden Strategien von „Hard“ und „Soft Power“ zu einer einzigen vereinen. „Hard Power“ wird höchstwahrscheinlich nie verschwinden. Ich denke, es gibt viele Fälle, wo man nicht nur verhandeln kann. Ich sage nicht, dass „Soft Power“ die Antwort auf alle unsere Probleme ist, aber ich denke, dass sie die einzige wirkliche Option ist, Beziehungen zu bilden, die zu Kooperation führen können. Man könnte argumentieren, dass die Bedeutung der „Soft Power“ immer vorhanden gewesen ist, aber ich schätze, dass die Aufmerksamkeit dafür nun größer geworden ist. Ich hoffe, die Welt wird langsam anfangen, sich mehr und mehr für „Soft Power“ einzusetzen, allerdings gibt es auch viele andere Optionen, die Erfolge bringen können und die wir prüfen müssen.
Afrika braucht kräftige Protagonisten
African Edition: Was werden die jungen afrikanischen Menschen auf diesem Symposium lernen und was werden sie davon in ihre Heimatländer mitnehmen?
Donfried: Eine der Botschaften, die wir von der namibischen Ministerin für Kultur hörten, war eine Nachricht der Hoffnung und des Optimismus'. Es ist sehr leicht, mit Blick auf Afrika pessimistisch zu werden, wenn man all die Stereotypen in den Medien sieht: Korruption, Armut, bewaffnete Konflikte und so weiter. Viele Fragen der jungen Politiker gingen in diese Richtung. Das war traurig: Diese Menschen leben ihr ganzes Leben in einem Afrika mit allen diesen Problemen - und sie sehen kein Licht am Ende des Tunnels. Ich denke, es ist wirklich Zeit für Afrika, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Wir brauchen Anführer, die vorangehen und als Vorbilder für ihre Mitbürger dienen. Das ist eine der wichtigsten Botschaften dieses Symposiums.
[AH]
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