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Bericht aus Südafrika

- Polygamie statt Demokratie: Mswatis III. aufwendiger Lebensstil und die ins Ausland führenden teuren Einkaufsreisen seiner Gattinnen werden heftig kritisiert. (Foto: commons.wikimedia.org/Lawrence Jackson, CC BY-SA 3.0)
König Mswati III. hat angesichts des drohenden Staatsbankrotts die Feierlichkeiten zu seiner Silberhochzeit abgesagt. Seit vergangenem Samstag hatte die Regierung in einer Krisensitzung getagt, um in letzter Minute eine Lösung zu finden. Laut einer regionalen Zeitung hätten mehrere swasische Banken der Regierung einen Notkredit gewährt. Zuvor hatte der Finanz-Staatssekretär mit einer Nachricht für Panik im öffentlichen Sektor gesorgt. Er hatte angekündigt, die Gehälter für November könnten erst Mitte Dezember ausbezahlt werden. “Wir befinden uns in einer misslichen Lage, aber ich würde nicht sagen, wir sind am Zerfallen”, beschreibt Regierungssprecher Percy Simelane die Situation und zieht einen Vergleich mit europäischen Ländern, wie etwa Griechenland. Man könne sich noch “zusammenreißen wie all die anderen Nationen”, die gerade dasselbe durchstünde.
Bischof sieht “endgültigen Kollaps”

- Die swasische Regierung weist jegliche Schuld an dem finanziellen Engpass von sich, macht allerdings die globale Finanzkrise verantwortlich. (Foto: commons.wikimedia.org/Luckymelon, CC BY-SA 3.0)
Anders betrachtet Meshack Mabuza die Situation. Der anglikanische Erzbischof wurde in den letzten Tagen zum größten Kritiker der Monarchie, als er das “archaische System” beschuldigte, Swasiland in eine wirtschaftliche und finanzielle Krise zu stürzen. Mabuza sprach sich offen für einen Regimewechsel aus – das repressive System müsse durch mehrere Parteien ersetzt werden. Mit seiner Aussage, das Land habe “endgültig den Kollaps erreicht”, gerät der Geistliche ins Fadenkreuz des Regimes. Die britische BBC berichtet jedoch, Mabuza trete im Dezember in den Ruhestand.
Kredit für Reformen

- Eine Tochter Mswati III und seiner ersten Frau:Prinzessin Sikhanyiso Dlamini. (Foto: commons.wikimedia.org/Amada44, CC BY-SA 3.0)
Die swasische Regierung weist die Schuld an dem finanziellen Engpass von sich und macht hingegen die globale Finanzkrise verantwortlich. Nach wie vor steht ein 355 Millionen Dollar-Kredit von Nachbarstaat Südafrika aus. Die Regierung in Pretoria gibt dafür grünes Licht, doch von swasischer Seite aus verzögert sich der Geldtransfer. Regierungssprecher Simelane kommentiert den Aufschub damit, einen Lohn zu sichern sei keine Gelegenheit, sondern ein langer Prozess. Die südafrikanische Opposition hatte einen Kredit zunächst an politische Reformen geknüpft, dann jedoch nachgegeben. Das Geld helfe, das Land und die Region zu stabilisieren. Zuvor hatte Swasiland internationale Organisationen wie den Internationalen Währungsfonds oder die Weltbank um Hilfe angesucht – vergeblich.
Parteien verboten
König Mswati III. hatte sein Amt 1986 von seinem Vater übernommen und regiert Swasiland seitdem als repressive Monarchie. Politische Parteien sind verboten, die Parlamentarier ernennt der König selbst. Das Volk macht Mswatis überschwänglichen Lebensstil für die Not verantwortlic. Er lebt in einer Polygamie mit zwölf Frauen, ein Teil davon minderjährig. Neben deren deutschen Luxus-Autos gerieten auch die Einkaufstouren seiner Frauen nach Europa und in die USA unter Kritik. Swasiland ist der Staat mit der höchsten Aidsrate der Welt, Infrastruktur ist kaum vorhanden und der Großteil der Bevölkerung lebt von unter einem Dollar am Tag. König Mswati lehnt jegliche demokratische Reformen ab.
[Markus Schönherr, Kapstadt]
(Teaserbild: commons.wikimedia.org/OAlexander-CC BY-SA 3.0)
