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Dienstag, 29. November 2011

Von: RED

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Keywords:
Mama Afrika | Miriam Makeba | Berlinale | Anti-Apartheid Aktivistin | Film | Mika Kaurismäki
“Mama Afrika” kommt auf die Kinoleinwand

Die Geschichte einer Ikone

Der Film “Mama Afrika” hat bei der diesjährigen Berlinale den zweiten Publikumspreis im “Panorama” gewonnen. Er ist eine bewegende Hommage an die weltbekannte südafrikanische Sängerin und Anti-Apartheid Aktivistin Miriam Makeba. Der Regisseur, Mika Kaurismäki, hat mit seltenem Archivmaterial und Interviews mit Freunden, Verwandten und Kollegen das Bild einer Ikone, die die Hoffnung und auch die Stimme Afrikas verkörperte, wieder aufgegriffen.
Mika Kaurismäki
"Für mich war die Miriam Makeba immer die Stimme aus Afrika", so Kaurismäki. (Foto: commons.wikimedia.org/Soppakanuuna, CC BY-SA 3.0)

European Circle: Herr Kaurismäki, Sie kommen ja aus Finnland, wohnen jetzt aber schon lange in Brasilien. Was hat Sie denn nun nach Berlin verschlagen?
 
Kaurismäki: Mit Deutschland habe ich schon eine lange Geschichte hinter mir. Ich habe in Deutschland studiert, an der Filmhochschule in München, habe auch in Berlin gelebt und dort 1987 auch schon einen Film gemacht, noch die Zeit mit der Mauer, es war eine Komödie “Helsinki Napoli”. Vor zehn Jahren hatte ich noch eine Wohnung hier in Berlin, aber seit über 20 Jahren bin ich hauptsächlich in Brasilien.

European Circle: Momentan sind Sie ja auf Tour, um Ihren neuen Film “Mama Afrika” zu promoten. Was hat Sie persönlich dazu inspiriert einen Film über die Weltmusikerin Miriam Makeba zu machen?
 
Kaurismäki: Für mich war die Miriam Makeba immer die Stimme aus Afrika, die ich noch aus den 60ern in Erinnerung hatte. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich das erste mal ihre Stimme im Radio gehört habe, ich glaube es war “Pata Pata” oder “The Click Song”. Sie hat so eine eigenartige Stimme gehabt und die ist im Kopf hängen geblieben. Seit dem, also seit den 60er Jahren, habe ich immer ihre Karriere verfolgt und mir Platten gekauft. Sie kam auch manchmal nach Finnland und hat dort Konzerte gemacht. Das Besondere an ihr war, dass sie nicht nur eine tolle Sängerin und Künstlerin war, sondern sie hatte auch eine ganz wichtige Message gegen Apartheid, für die Vereinigung von Afrika, für Demokratie, usw. Sie war eine Kämpferin für die Menschenrechte.

Afrika
Nachdem Makeba die Rückreise in ihre Heimat verweigert wurde, half ihr Harry Belafonte bei der Einreise in die USA und ihren ersten Auftritten. (Foto: commons.wikimedia.org/David Shankbone, CC BY 3.0)

European Circle: 2008 ist Miriam Makeba auf der Bühne an einem Herzinfarkt gestorben. In etwa zu dieser Zeit wollten Sie mit dem Film beginnen. Was hat das für Sie bedeutet?
 
Kaurismäki: Ja, also das war erstmal ein Schock. Ich habe mit ihr telefoniert und wir haben ausgemacht, dass ich Ende November 2008 nach Johannesburg komme und wir anfangen würden den Film zu machen. Und am 10. November habe ich dann den Anruf bekommen und gehört, dass sie gestorben ist. Ich glaube sie hat schon geahnt, dass sie sterben wird, weil sie zu diesem Konzert in Italien gar nicht hin sollte, aber sie wollte unbedingt und sie hat auch sowas angedeutet. Also ihre Familie und Bandmitglieder hatten schon geahnt, dass etwas passieren wird. Sie hat immer gesagt, sie will auf der Bühne sterben und das ist auch so passiert. Auf diesem letzten Konzert konnte sie nicht mehr alle Lieder singen und hat sehr gehetzt und auch Lieder übersprungen, hat dann “Pata Pata” gesungen, hat sich bedankt und dann umgedreht und (hält inne).

European Circle: Am 10. November ist offizieller Kinostart des Films “Mama Afrika” und wir haben eben schon darüber gesprochen, dass sie so überraschend gestorben ist, da haben Sie ja alle Pläne über den Haufen geworfen und letzten Endes einen ganz anderen Film gemacht. Sind Sie stolz auf den Film?
 
Kaurismäki: Ja, ich bin sehr glücklich, dass ich den Film gemacht habe und das war wirklich nicht leicht. Ich hatte ein Drehbuch vorher, aber mit ihr, ich wollte mit ihr reden und sie sollte vor der Kamera sein und plötzlich war sie nicht da. Da mussten wir etwas anderes tun, deswegen haben wir mehr Archivmaterial verwendet als geplant. Gott sei dank haben wir schönes Material gefunden, auch solches, das man sonst nie gesehen hat, aus der Zeit, wo sie in Afrika getourt hat und auch Heimmaterial, Super 8 Filme und  solche Sachen. Es war dann doch möglich einen Film über sie zu machen, ohne dass sie da war, aber ihr Geist war da.
 
[RED]

(Teaserbild: commons.wikimedia.org/Roland Godefroy-CC BY 3.0)