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Mobutus Vision von Zaire

- Mit Zaire erschuf Mobutu sich 1971 seinen Staat, in dem er fortan allgegenwärtig sein sollte. (Foto: commons.wikimedia.org/Frank Hall, gemeinfrei)
Der Kongo gilt als ein Paradebeispiel der politischen Wirren des postkolonialen Afrikas. Nach der Unabhängigkeit stolperte die subsaharische Postkolonie erst in interne politische Konflikte, dann in den Sezessionskrieg um die Provinz Katanga und schließlich, mit der Ermordung Patrice Lumumbas, in den Bürgerkrieg. Am Ende stand die Diktatur Mobutus. Zentralafrika war in den 1970er Jahren ein Konglomerat korrupter Regierungen, die sich gegenseitig unterstützten. Aber während in Nachbarländern wie Uganda und der Zentralafrikanischen Republik die Diktaturen von Amin und Bokassa Ende der 1970er Jahre zerfielen, festigte sich Mobutus Herrschaft weiter. Mit Zaire erschuf Mobutu sich 1971 seinen Staat, in dem er fortan allgegenwärtig sein sollte. Der Blick auf das inmitten Afrikas gelegenen Zaire in den 1970er, und den kommenden zwei Dekaden, war wie ein Blick durch ein Kaleidoskop, das in den unterschiedlichsten Facetten das Bild Mobutus widerspiegelte.
Allgegenwärtiger Kult
Sein ideologisches Konzept des Mobutuism wurde 1974 zur offiziellen zairischen Staats- und Parteiideologie. Fortan wurden Gedanken, Visionen und das Handeln des zairischen Präsidenten als Unterrichtstoff in Schulen vermittelt, Beamte und andere Staatsangehörige hatten Mobutu bei ihrer Vereidigung Loyalität und uneingeschränkte Gefolgschaft zu schwören und ihn mit Betitelungen wie “Messiah”, “Gründerpräsident” oder “Grand Patron” anzusprechen. Pins des zairischen Diktators waren ebenso erhältlich wie Miniaturportraits und Poster in Großformat. Afrikanische Tänze und populäre Lieder hatten den Diktator zu huldigen, im Fernsehen verkündete ein animierter Mobutu aus den Wolken herabschwebend und mit hallender Stimme die zuvor selektierten Nachrichten. Zaire wurde mit der zunehmenden Herrschaftsdauer Mobutus zu einer symbolischen Monokultur, zu dessen Dreh- und Angelpunkt er sich selbst machte. Der selbsternannte “Vater der Nation” ließ sogar – makaber genug – sein Antlitz auf die längst inflationären zairischen Geldnoten prägen.
Kehrtwenden

- Zaire war von 1971 bis 1997 der Name der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika. (Foto: commons.wikimedia.org/Moyogo, gemeinfrei)
Der exzentrische Staatsmann hatte stets auf die Gefahr einer fremdbestimmten Einflussnahme verwiesen, einerseits durch die ehemaligen Kolonialmächte, ebenso aber auch durch die zwei Machtblöcke des Kalten Kriegs. Mit der Unabhängigkeit hatten nur wenige afrikanische Neustaaten die koloniale Fremdsprache abgesetzt. Vielmehr wurde sie, nicht zuletzt aufgrund ethnischer und kultureller Vielfalt in den Postkolonien, als ein Werkzeug zur sprachlichen Vereinheitlichung beibehalten. In Zaire sollte diese Sprachpolitik nach dem Machtantritt Mobutus schnell kippen, auch aus dem Bestreben heraus, vorkoloniale Traditionen auch sprachlich wiederzubeleben. Mobutus Manifest von N'Sele, Leitfaden seiner Authentizité-Kampagne, spiegelte neben symbolischen Veränderungen auch vorkoloniale Traditionen über die Sprache wider: Christliche Vornamen, einst missionarischer Ausdruck eines Erfolgs des Christentums auf dem afrikanischen Kontinenten, wurden afrikanisiert und so unter umgekehrten Vorzeichen zum Ausdruck eines mobutuistischen Herrschaftsverständnis, das nicht nur sichtbar, sondern zunehmend auch hörbar wurde.
Afrikanisierungskampagne
Die Überstreckung dieser panafrikanistischen Ideen findet sich in vielen Afrikanisierungskampagnen, die in dieser Zeit von so manchem postkolonialen Herrscher eingeführt wurden. In Zaire verloren die panafrikanistischen Ideale mit Herrschaftsdauer Mobutus immer mehr an Schwung und Kontur. Mobutu hatte indes neben dem Staatsnamen auch seinen eigenen geändert: Ab 1972 nannte er sich – mit deutlicher Referenz auf afrikanische Traditionen – Mobutu Sese Seko Nkuku wa za Banga. Zaire sollte zu einer ominösen Ursprünglichkeit und Wertemoral der vorkolonialen Ära Afrikas zurückkehren. Die Mütze aus Leopardenfell, die Mobutu stets trug, war nicht zuletzt Teil einer solchen vorkolonialen Tradition. Verschiedene Ethnien Afrikas, unter ihnen die Zulus, hatten bereits Jahrhunderte zuvor die Pelzmütze als ein Zeichen hierarchischer Stellung verwendet.
Zaires letzter Atemzug
Die permanente Ausübung der “väterlichen” Autorität Mobutus, die jegliches Mitspracherecht auf ewig untersagt, mündete zwar in den Verlust seiner Legitimität, lange aber nicht seiner Herrschaft. Mobutu blieb das Epizentrum der Macht. Paternalistische Herrschaften in Verbindung mit Elementen des Personenkults nahmen auf dem afrikanischen Kontinenten in den 1970er und 1980er Jahren stark zu, während zeitgleich das Engagement der Machthaber um das Wohlergehen ihrer nationalen Familie rapide sank. Vielmehr herrschten Korruption, Unterdrückung und Gewalt. Trotz zunehmenden Unruhen ab 1989 sollte das Projekt Zaire erst 1997 endgültig scheitern und Mobutu entmachtet werden. Mobutus angehäufte Vermögen während seiner Amtszeit wird von der Nichtregierungsorganisation Transparency International auf fünf Milliarden Dollar geschätzt. Er selbst verbrachte seinen Lebensabend im marokkanischen Exil.
[KH]
