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Zukunftsperspektiven für Afrika

- Bundesministerin Ilse Aigner fordert für die Menschen in Afrika nicht nur Zugang zu den Ressourcen, sondern auch zu den Märkten. (Foto: commons.wikimedia.org/Arnaudu, CC by-sa 3.0)
Afrika ist ein raues Pflaster. Afrika wurde viel zu lange alleine gelassen. Nun entdeckt die Industrie den großen, alten Kontinent für sich und plant über gezielte Investitionen im Agrarbereich die größten Nöte des Landes abzumildern, wenn nicht sogar endgültig zu beseitigen. "In den kommenden 20 Jahren wird sich die Population Afrikas verdoppeln. Wir alle haben eine Verantwortung dafür, neue Visionen für Afrikas Landwirtschaft zu entwickeln" so Prof. Martin H. Richenhagen, Präsident von AGCO zu Beginn des Pressegesprächs am Morgen vor der offiziellen Eröffnung des Gipfels. Es müsse ein intensiver Dialog zwischen global agierenden Unternehmen und der Politik stattfinden, um nachhaltig in Afrikas Zukunft zu investieren.
Zukunft aus der Not geschaffen
Der Zusammenhang zwischen der landwirtschaftlichen Entwicklung und den Nöten Afrikas liegt auf der Hand. "A hungry man is a hungry man" – man sei bereit eine menge schrecklicher Dinge zu tun um etwas Essen zu bekommen, erläutert Joel Mwale, Gründer von Skydrop Enterprise. "Und wenn Ihnen ein "Bad Man" Zugang zu Nahrung verspricht und man dafür mit einer Waffe auf die Straße soll, dann tut man das." Joel Mwale ist ein junger Kenianischer Entrepreneur und Träger des "Anzisha Prize". Seine Unternehmensidee entwickelte er im Krankenhaus. Dort musste er aufgrund einer Vergiftung durch unreines Wasser einige Tage auf der Intensivstation verbringen. Er beschloss etwas gegen diesen Zustand zu unternehmen und sparte fortan über einen Zeitraum von acht Jahren einen Betrag von 95 Dollar mit denen er einen kleinen Brunnen anlegte. Dadurch ermöglichte er seinem Dorf einen kostenlosen und erleichterten Zugang zu Wasser. Die lokale Trinkwasserversorgung war damit gesichert, die Krankheitsfälle sind stark zurückgegangen und die Landwirtschaft konnte sich entwickeln. 2010 gründete er Skydrop Enterprises und vertreibt seitdem Low-Cost-Trinkwasser in Flaschen. Mittlerweile beschäftigt Mwale drei Angestellte in Vollzeit und hat eine Reichweite bis nach Uganda. Ein gelungenes Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften aus eigener Kraft.
Kontrollmechanismen
"Es gibt keine einfachen Lösungen. Aber Landwirtschaft ist der Schlüsselfaktor. Afrika ist der Schlüssel zu zukünftigen Lösungen", so Prof. Martin H. Richenhagen. Davor könne sich niemand mehr verschließen und das habe man mittlerweile international verstanden. Daher diese Initiative. Auf die Frage wie man verhindere, dass Investitionen nicht, wie bisher zu oft geschehen, in dunklen Kanälen verschwinden werden und wie man sich die Zusammenarbeit mit politisch instabilen Ländern vorstellen könne, antwortete Dr. Joachim Schneider, Senior VP Growth and Strategy bei Beyer Crop Science AG: "Mittlerweile gibt es sehr gut funktionierende Kontrollmechanismen, die die Gates, Buffets und Rockefellers gezielt nach ihren Investitionen in diesen Bereichen befragen. Da verschwindet nicht mehr viel in dunklen Kanälen" und für die Zusammenarbeit mit den Afrikanischen Ländern, die nicht mit demokratischen Regierungen gesegnet sind, muss die Regierung entsprechende "Absicherungsmechanismen" zur Verfügung stellen.
Mechanisierung

- Die afrikanische landwirtschaft benötigt dringend einer Mechanisierung, so dass die Ernteerträge erhöht und die Bedingungen erleichtert werden können. (Foto: commons.wikimedia.org/Burkina Faso, public domain)
"Es bedarf klarer Reglements, um Landgrabbing zu verhindern. Die Bevölkerung muss genauso von den Investitionen profitieren" forderte Bundesministerin Ilse Aigner auf der Veranstaltung. Sie werde sich dafür einsetzen, dass Afrikanische Regierungen entsprechende politische Rahmenbedingungen schaffen. Die Rolle der Frauen müsse gestärkt werden, da diese mit einem Anteil von 70% in der Landwirtschaft zwar eine tragende Säule in diesem Sektore spielen, aber nur wenige Rechte besitzen würden.
Sie erteilte Nahrungsmittelspekulationen eine klare Absage: "Lebensmittel sind keine Spekulationsprodukte". Die Menschen Afrikas brauchen nicht nur Zugang zu den Ressourcen des Landes, sie brauchen auch Zugang zu den Märkten. Es muss sich endlich lohnen mehr als nur für den Eigenbedarf zu produzieren. Noch immer fehlen die Technologien für Produktion, Transport und Lagerung. Ein großer Teil der Ernte verrottet noch auf den Feldern, das Saatgut ist schlicht nicht ausreichend. Ein Traktor hat in den rauen Verhältnissen Afrikas eine durchschnittliche Lebenszeit von 8 Monaten. In Europa sind es 35 Jahre, eine ganze Generation. Und so lautet eines der Schlüsselwörter des Gipfels Mechanisierung. Mechanisierung führe zu einer wesentlich verbesserten Effizienz und würde die Ernteerträge signifikant erhöhen. Dies können Unternehmen forcieren. Für die Rahmenbedingungen wären die Regierungen zuständig. Dem entsprechend müsse man den Dialog intensivieren – das gesetzte Ziel des AGCO Africa Summit.
Partnerschaft mit Afrika auf Augenhöhe
Keine Frage, die Potentiale Afrikas sind riesig. Doch die Nöte ebenso. Die Weichen für Afrikas Zukunft müssen jetzt gestellt werden. Ganz uneigennützig ist diese Initiative natürlich nicht. Jedes Unternehmen wird an seinem wirtschaftlichen Erfolg gemessen. Daher stellt sich die Frage danach, ob man lediglich Produkte nach Afrika verkaufen möchte oder tatsächlich die Bedürfnisse des Kontinents in das Zentrum der Investitionen stellen wird.
"Alle Probleme Afrikas hängen mit der Landwirtschaft zusammen." Der ehemalige Präsident Südafrikas Thabo Mbeki reduziert es auf den Kern. So simpel diese Feststellung, so komplex die Lösung. Der ACGO Africa Summit sollte der Auftakt zu einem neuen Dialog werden. Geredet wurde viel. Nun müssen Taten folgen.
[SG]
(Teaserbild: Stephan Günzel)
